09.11.2017

Mein Freiwilligendienst in Peru

Freiwilligendienst in Peru mit Unterstützung der MUEG

Lima (Peru), 3.Oktober

Genau heute sind die ersten zwei Monate des Freiwilligen Dienstes vorbei - zwei Monate voller neuer Eindrücke in einer für mich doch sehr fremden Welt.

Ich muss sagen, so langsam habe ich mich an die peruanische Kultur gewöhnt! Ich rege mich schon gar nicht mehr auf, wenn ich wieder einmal für 5 Kilometer Fahrt in einem komplett überfüllten Bus eineinhalb Stunden benötige. Aber der Busverkehr in Lima bringt auch sehr viele Vorteile mit. Man lernt nette Menschen kennen und bezahlt umgerechnet zwischen 25 und 50 Cent für eine Busfahrt, zudem gibt es hunderte Busse in alle Richtungen, welche im Minutentakt an einem vorbei sausen.

Auch Lima habe ich schon sehr gut kennen gelernt und weiß mittlerweile, dass diese Metropole mit Zehnmillionen Einwohnern keinesfalls ein Kinderspielplatz ist. Der Unterschied der Lebensumstände ist wie Tag und Nacht. Ich persönlich wohne mit meiner Gastfamilie in einem Stadtviertel, welches ich auf dieser Einteilung späten Nachmittag einstufen würde und fühle mich sehr wohl in dieser neuen Situation. Doch, innerhalb von 15 Minuten Busfahrt gelange ich sehr schnell in ein Gebiet, welches auch von Peruanern als "Nacht" eingestuft wird. Sie sagen oftmals zu mir: " Da gehst du mit Sachen rein und kommst nackt und ohne Haare wieder raus." Doch, bis jetzt habe ich besagte Stadtteile immer mit meinen sieben Sachen verlassen. Fahre ich wiederum 20 Minuten in die entgegengesetzte Richtung, stehe ich auf einmal zwischen großen Bankgebäuden, gepflegten Parks und haufenweise Touristen, welche das andere Gesicht Limas wahrscheinlich nie zu sehen bekommen werden. Es war für mich nie vorstellbar, dass zwischen Palästen und Wellblech nur eine gute halbe Stunde Fahrt liegen kann.

Das Haus meiner Gastfamilie ist weder ein Palast, noch aus Wellblech und vielleicht fühle ich mich deshalb auch bei meinen Gasteltern, Luis und Liliana, sowie meinen drei peruanischen Gastgeschwistern, Luis Adrian (16), Ivan (11) und Alexis (8), wie zu Hause. Neben diesen fünf gehören auch noch Hatschi, ein kleiner weißer Hund und Jacopo (17), ein italienischer Austauschschüler, genau wie ich zur Familie. Von Beginn an war meine Gastfamilie sehr offen, gastfreundlich und hat mich mit offenen Armen empfangen.

Sie brachten mir sehr rasch das Leben in Lima nah. Die ersten zwei Wochen war mein Gastpapa nur damit beschäftigt, mir beizubringen, wie jegliche Straßen in unserer Umgebung heißen und dafür bin ich ihm dankbar, da ich mich dadurch jetzt schon gut in Lima zurechtfinde.

Liliana ist eigentlich den ganzen Tag nur darum besorgt, dass ich nicht hungrig bin und kocht verschiedenste typische peruanische Gerichte. Nach meinem Jahresaufenthalt in Costa Rica hatte ich mir eigentlich geschworen, nie wieder Reis zu essen, jedoch hat mich das peruanische Essen eines besseren belehrt. Jedes der 100 verschiedenen typischen Gerichte wird mit Reis serviert und so langsam habe ich mich daran gewöhnt. Das bekannteste Gericht, das Meerschweinchen habe ich leider noch nicht probiert.

Natürlich bin ich nicht nur bei meiner Gastfamilie und esse, sondern gehe auch 4 Tage in der Woche in einem Institut, namens Mundo Libre, etwa 3 Stunden Busfahrt(19 km) außerhalb von Perus Hauptstadt, arbeiten.  Mundo Libre heißt auf deutsch "Freie Welt" und bietet eine neue Option für Jugendliche zwischen 12 und 18, welche auf der Straße lebten. Drogen, Alkohol, Schlägereien und sexueller Missbrauch standen bei den meisten Bewohnern des Heims auf der Tagesordnung. Um diese problematische Vergangenheit zu verarbeiten, werden sie hier neu erzogen, therapiert, unterrichtet und resozialisiert.

Genaueres über meine Arbeit mit den Kindern werde ich dann beim nächsten Mal berichten!

 

Bis dahin, viele liebe Grüße - Muchos Saludos,

Jan Rosenbaum

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